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Category: Allgemein

Lemmings – Kein typisches Spiel-Review

Ich schreibe dies, bevor ich das Spiel endgültig von meinem Handy lösche.

Das klassische Lemmings

Vor einigen Monaten unterhielt ich mich mit jemandem darüber, wie es war, zum ersten Mal das klassische PC-Spiel „Lemmings“ von 1991 zu spielen. Wie es diese bedrohliche Atmosphäre vermittelte und insgesamt einfach ein gutes Spielerlebnis war. Man fragt sich dann ja immer, ob es heute noch etwas Vergleichbares gibt.

Lemmings (Sad Puppy)

Kurz darauf schaute ich nach aktuellen Lemmings-Klonen fürs Smartphone und lud mir direkt „Lemmings“ von Sad Puppy herunter. Mein erster Eindruck war positiv.

Diese Version von Lemmings schafft es grundsätzlich sehr gut, das Prinzip des klassischen Spiels auf den begrenzten Raum des Smartphones zu übersetzen. Man hat nicht mehr pixelgenaues Bauen, sondern ein festes Raster, in dem man die Treppen, Buddeln und Stopper platziert. Ich will gar nicht genauer auf die Spielmechanik eingehen, denn dies ist ja schließlich kein typisches Review. Andere können sicher eine objektivere Bewertung abgeben. Grundsätzlich kann man sagen, dass es gut gemacht ist und eine Menge Spaß machen kann.

Wie spielt sich das?

Das letzte Level, dass ich spielen werde

Viel gravierender für mein Spielerlebnis waren die Features, die nicht zum eigentlichen Spiel gehören. Man arbeitet sich durch Levels, die mit der Zeit immer schwerer werden und man hat nur eine begrenzte Menge an Aktionen, die sich mit der Zeit auffüllen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Mechaniken, die mittels Glücksspiel oder Bezahlung die Möglichkeit geben, länger zu spielen. Ich dachte mir, dass mich das ja nicht betrifft, weil ich sowieso nur zwischendurch mal ein Spielchen machen würde. Aber dann gibt es ja noch die Herausforderungs-Levels.

Die Herausforderungs-Levels sind besonders interessant gemachte Levels, die man über das Sammeln von verschiedenen Gegenständen (Eier und Tickets) freischalten und die man ohne Aktionen-Begrenzung spielen kann. Irgendwie habe ich irgendwann nur noch darauf hingearbeitet, mit solche Levels zu verdienen, um dann zu beweisen, wie gut ich diese Levels meistern würde. Gleichzeitig ist es in den höheren normalen Levels so, dass die kaum noch ohne etwas Glück zu schaffen sind. Man muss schnell sein und das Timing muss perfekt sein. Da freut man sich um so mehr auf die Herausforderungs-Levels.

Was macht das mit mir?

Wie beim Frühstück: Hoffentlich ist ein Ei dabei

Immer mehr merke ich, dass sich das Spiel-Ziel verlagert. Am Anfang freut man sich einfach darüber, ein Level geschafft zu haben und das nächste zu erreichen. Jetzt merke ich so langsam, dass es kein Ende geben wird. Offiziell muss es ja irgendwann ein „letztes“ Level geben, aber es wird klar, dass es so viele Fallen und Hindernisse im Spiel gibt, dass man das Schwierigkeitslevel nahezu unbegrenzt steigern kann. Außerdem spiele ich fast nur noch mit dem Ziel, möglichst viele Eier und Tickets freizuschalten. Dafür muss man so oft es geht das Glücksrad drehen.

Wenn das Glück einem nicht hold ist, kann man sich ein Werbevideo „anschauen“ und nochmal drehen. Wenn dann in dem gewonnenen Ei nicht der richtige Lemming drin ist, kann man das Öffnen mit einem weiteren Video wiederholen. Viel Glück!

Warum mache ich das noch?

Heute habe ich die Entscheidung getroffen, das Experiment zu beenden. Es ist schade, wenn man merkt, dass die psychologischen Tricks dafür sorgen, dass man nicht mehr spielt, weil man die Herausforderung mag, sondern um bestimmte Ziele zu erreichen, die nicht direkt Teil der Spielmechanik sind. Wenn man das Gefühl hat, dass man unbedingt jetzt gleich spielen muss, weil die Aktionen sonst verfallen. Alles nur, um möglichst viel Geld aus den Spielern zu pressen.

Tschüss, Lemmings!

Es war eine Art Selbstversuch. Kann ich das Spiel einfach so („casual“) spielen, ohne mich zu sehr manipulieren zu lassen? Der Versuch ist gewissermaßen gescheitert. Das kleine Spiel ist zu einem Stress-Faktor geworden. Also weg damit. Stress-Faktoren habe ich genug. Dann schreibe ich lieber man wieder einen Blog-Eintrag. Irgendwann muss ich doch noch die letzte Folge von der Rook-Assistent-Serie machen.

Der Königsweg

Beim Manga Bakuman geht es darum, wie zwei Schüler beschließen, die besten Manga-Künstler zu werden. Als sie zum ersten Mal mit einem Redakteur zu tun haben, kommt die Diskussion auf, ob man ein Manga produziert, das den „verqueren Weg“ eingeht oder den „Königsweg“. Mit Königsweg ist gemeint, dass es ein massentauglicher Manga wird mit einer genretypischen Story, einem starken Helden und so weiter. Der Redakteur stellt klar, worauf es beim Königsweg ankommt und irgendwie klingt es ganz einfach. Man soll eine glaubhafte Welt vorfinden, es soll klar sein, warum gekämpft wird, es soll möglichst eine schöne Heldin mit drin sein. Doch als die beiden Hauptpersonen der Geschichte, ein Zeichner und ein Schreiber, sich an ein Comic der Kategorie Königsweg machen, kommt nichts Gutes dabei heraus. Es wirkt alles nachgemacht und immitiert. Sowas möchte man nicht veröffentlichen.

Es stellt sich heraus, dass der Königsweg gar nicht so einfach ist. Mir kam dazu in den Sinn, dass es sich in anderen Künsten vermutlich ähnlich verhält. In der Musik gibt es das Klischee des typischen Popsongs. Der hat üblicherweise die gleichen vier Akkorde, man soll sich leicht einfinden, das Thema soll klar sein und die Sängerin möglichst hübsch. Die Inhaltsstoffe sind einfach. Doch was, wenn ich jetzt so einen Song schreiben wollte? Wie soll ich das machen, ohne dass es zur billigen Immitation aller anderen Popsongs ausartet? Nur, weil ich die Inhaltsstoffe kenne und von einem vorhanden Songs vielleicht sogar sagen kann, ob er gut ist, heißt das noch lange nicht, dass ich einen produzieren kann.

In Hollywood hat man immer wieder lernen müssen, dass man Blockbuster nicht unbegrenzt nach demselben Schema produzieren kann. Es stellt sich immer wieder heraus, dass der Köngsweg nicht gerade einfach ist. Er ist sogar außerordentlich schwer.

Man muss sich als Kunstschaffender entscheiden, ob man sich ins Getümmel werfen möchte und unter dem größtmöglichen Konkurrenzdruck etwas zu schaffen, dass vielleicht nicht wahrgenommen wird, obwohl es massentauglich gedacht wurde oder ob man sich dem Kampf entzieht und den verqueren Weg einschlägt.

Der verquere Weg ist natürlich nicht automatisch einfacher. Man muss wohl der Typ dafür sein. In der Musik könnte das bedeuten, dass man für ein Genre komponiert, in dem man garantiert nicht unter die Top 40 der Charts kommt. Im Manga Bakuman sind die Helden gerade weiter auf dem Tripp, unbedingt ein Königsweg-Manga zu erstellen und der zuständige Redakteur ist skeptisch. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Seekers Log

Schon seit über zehn Jahren spiele ich mit Ideen meiner eigenen Science Fiction-Welt. Auch die kleine Kurzgeschichte „Dilvatur Nimip“ von 2012 spielt in dieser Welt. Da gab es schon die Raumstation und den Namen einer wichtigen Figur. Jetzt ist sie live. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Die Geschichte heißt Seekers Log.
Seekers Log ist ein Comic, das in einer fernen Zukunft spielt und von dem Frachterkapitän und Weltraum-Abenteurer Bale und seiner Suche nach Wahrheit, Sinn und Liebe handelt. Natürlich ist wieder mein Bruder Michael der Zeichner und ich schreibe das alles.
Jetzt war einfach der perfekte Moment, dieses ambitionierte Projekt zu starten. Zwar weiß ich noch nicht, wie weit uns meine Schreiber-Fähigkeiten bringen werden, aber Michael ist definitiv reif für die große Comic-Bühne. Es ist ein Wagnis, all diese Zeit und Energie in ein Projekt zu stecken, das vielleicht noch Jahre weiterlaufen wird. Zumindest ist es etwas, von dem ich lange geträumt habe. Mein eigenes Scifi-Universum mit meinen Regeln und Figuren und so.
Es gibt noch so viel dazu zu sagen, aber eine Sache soll noch erwähnt werden. Wir veröffentlichen das Ding auf der Comic-Plattform LINE Webtoon. Wir sind schon lange Fans von Comics, die sich scrollen lassen und Webtoons ist einfach perfekt dafür ausgelegt. Und natürlich auf englisch. Es geht nicht wirklich anders und wenn man schon so was großes machen will, dann sollte man es vielleicht nicht gerade in der Sprache rausbringen, die kaum etwas mit Comics anfangen kann (belehrt mich eines Besseren, ihr deutschen Comic-Verlage). Ich schreibe alles auf deutsch, weil das wesentlich einfacher für mich ist und irgendwo wird die deutsche Version auch noch landen, aber zunächst gibt es sie nur auf englisch. Please enjoy Seekers Log!

Mars Argo

In der Lesezeichenleiste meines Browsers gibt es einen Ordner mit dem Namen „Musik 2017“. Dort lege ich innerhalb des Jahres Musik ab, die mich bewegt und die ich dann nachher mit diesem Jahr verbinden werde. Diese Gewohnheit habe ich in 2015 begonnen. Es sind nicht viele Links in den Ordnern gelandet, weil es irgendwie wirklich neu und besonders für ich sein muss.

Der aktuelle Neuzugang ist besonders. Über Umwege bin ich bei dieser Musikgruppe gelandet. Letzte Woche hat MatPat, das Genie hinter den YouTube-Kanälen Game Theory und Film Theory, ein Video über die Hintergründe und Verschwörungen des Kanals „Poppy“ veröffentlicht. Poppy an sich ist faszinierend und über den Macher Titanic Sinclair landet man schnell auf Videos von Mars Argo. Der Mann hinter dem Poppy-Projekt war bei Mars Argo beteiligt. Aber es gibt fast nur Reuploads von Fans.

Der offiziellen Kanal enthält nur noch 2 Musikvideos und ein Video mit dem Titel „Delete your Facebook“. Aber YouTube ist voll von Mars Argo-Content. Kanäle wie „Where’s Mars Argo?“ konservieren die alten Lieder und die Nutzer diskutieren unentwegt über den Verbleib der Sängerin, die offenbar vor zwei Jahren von der Bildfläche verschwunden ist. Theorien gibt es ne Menge.

Das Mysterium um die Sängerin macht es natürlich irgendwie interessant, aber die Musik ist einfach schön. Ich kriege nicht genug von Mars Argo.

Schluchz!

Die Übersetzerin Erika Fuchs übersetzte seit 1951 Disney-Comics und in den vier Jahrzehnten ihres Wirkens die deutsche Sprache nachhaltig geprägt. Der sogenannte Erikativ (eigentlich Inflektiv) reduziert seitdem Verben auf ihren Wortstamm und lässt Ausdrücke wie „schluck“, „stöhn“, „kicher“ oder „zitter“ zu. Eine eigene deutsche Comic-Sprache wurde begründet. Im aufkommenden Chat-Zeitalter bekam diese Form sogar eine neue, besondere Bedeutung. *liebguck*
Aber für unser Comic fühlt es sich falsch an.
Gerade gestern haben wir überlegt, ob es ein Lautwort für’s Schluchzen im aktuellen BTW-Comic geben sollte. Ich schlage „schluchz“ vor und wir beide merken, dass es irgendwie nicht passt.
Warum?
Comics haben es immer schwer gehabt in unserem Land. Es wurde erstmal immer nur das übersetzt, was für Kinder ist. Comics sind außerhalb von Fix und Foxi nie Mainstream geworden.
Begrifflichkeiten aus der Comic-Welt werden in der Popkultur (besonders im finsteren Jahrzehnt der 90er) höchstens als albern, witzig und kindlich verwendet. Wenn ich „schluchz“ sage, kann das nur in einem ironisch überzogenen Kontext sein.
Unser Comic ist ironisch überzogen. Trotzdem kommt uns das komisch kindisch vor, das Wort „schluchz“ zu verwenden.

Zu gern würde ich dazu die Meinung von deutschsprachigen Comic-Erschaffern hören. Es gibt ja nicht so viele. Wer benutzt überhaupt selber den Erikativ in seinen Comics?
Wir hätten gerne ein Wort wie „sob“! Eigentlich sollte sich „schluchz“ wie „sob“ anfühlen. Das tut es aber nicht. Seufz!

Das Comic mit dem „schluchz“ gibt es hier.

P.S.
Unsere comicverliebten südwestlichen Nachbarn machen das ja anders. Dort dominieren eher lautmalerische Worte wie „toc toc“ anstelle von „Klopf klopf“ oder „chrrr“ bzw. „zzzzz“ statt „schnarch“. Doch welches lautmalerische Wort entspräche dann „schluchz“?

Jahresrückblick

Vorgestern habe ich dieses Pattern ausgedacht und eine Weile damit rumgejamt. Die Akkorde C2, G4, Ebmaj7 und Abmaj7 (oder so ähnlich könnte man sie nennen) passten erstaunlich gut zusammen. Heute habe ich das mal aufgenommen und zwischendurch bin ich in verrücktesten tonalen Sphären abgedriftet.

 

Beim Hören kam es mir wie eine Metapher für ein Lebensjahr vor. Man bleibt derselbe und wurschelt sich durch die Akkorde des Lebens. Die Wogen werfen einen hin und her und plötzlich weiß man gar nicht mehr, wer man ist. Dann sucht man verzweifelt nach Harmonie und kämpft sich in die Ausgangstonart zurück. Doch dann ist nicht mehr alles wie es vorher war. Das Erlebte hat einen verändert.

 

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