{"id":304,"date":"2012-08-20T09:04:50","date_gmt":"2012-08-20T08:04:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.christian-epp.de\/?p=304"},"modified":"2012-08-20T13:45:51","modified_gmt":"2012-08-20T12:45:51","slug":"mondshitze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christian-epp.de\/?p=304","title":{"rendered":"Mondshitze"},"content":{"rendered":"<p><em>Ich habe gestern um die Mittagszeit die Inspiration gesp\u00fcrt und direkt eine Kurzgeschichte geschrieben. Im Druck ist es genau eine Seite (<a title=\"Mondhitze\" href=\"http:\/\/www.christian-epp.de\/?attachment_id=305\" target=\"_blank\">PDF<\/a>) &#8211; Du kannst sie aber auch direkt hier lesen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Mondtag dauert 29 Erdentage und in dieser Zeit herrscht eine Temperatur von bis zu 130 Grad.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Hitze wurde langsam unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Bei jeder Drehung des Ventilators in seine Richtung schloss Parker die Augen und genoss den Luftstrom. Jede \u00fcberfl\u00fcssige Bewegung musste vermieden werden.<!--more--><\/p>\n<p>Den anderen ging es nicht besser. Einer seiner Kollegen hatte sich aus Dr\u00e4hten eine Art Hutgestell gebaut, in das er immer wieder ein feuchtes Tuch hinein hing. Doch das Wasser war auch warm. Parker blickte auf die Temperaturanzeige des Wassertanks. F\u00fcnfzig Grad Celsius. Und dabei befand sich dieser Tank viele Meter unter der Mondoberfl\u00e4che. Die Aufbereitung musste so schnell gehen, dass die lebensnotwendige Fl\u00fcssigkeit keine Zeit fand, sich schnell genug abzuk\u00fchlen. Seit die Klimakontrollen heruntergefahren werden mussten, waren nicht einmal zwei Stunden vergangen und schon herrschte im Maschinen-Kontrollraum der Station W\u00fcstenklima. Inzwischen hatte man aufgeh\u00f6rt, Witze dar\u00fcber zu machen und jeder arbeitete, ohne ein Wort zu sagen, an der L\u00f6sung des Problems.<\/p>\n<p>Das Rauschen des Ventilators, den einer von Parkers Kollegen aufgetrieben hatte, war nun das einzige, was sie alle h\u00f6rten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Parker schaute auf seinem Bildschirm nach der Uhrzeit. Die Temperatur stieg zu schnell. Die Versorgungsschiffe waren schon auf dem Weg, doch jeder wusste, dass sie nicht eintreffen w\u00fcrden, bevor die Temperatur eine H\u00f6he \u00fcberschreiten w\u00fcrde, die jedes menschliche Leben unm\u00f6glich machen sollte.<\/p>\n<p>W\u00e4re diese Panne w\u00e4hrend der Mondnacht passiert, w\u00e4ren nun l\u00e4ngst alle tot. Diese Erkenntnis war ihm ein schwacher Trost.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kollege Jonsson hustete trocken. \u201eWir brauchen eine andere L\u00f6sung!\u201c keuchte er heraus und trank dann einen Schluck warmes Wasser. Niemand antwortete. Jonsson hatte auch keine Antwort erwartet und wandte sich wieder dem Bildschirm zu.<\/p>\n<p>Es gab keine andere L\u00f6sung. Jeder der anwesenden Klimakontroll-Experten wusste das. Wenn das Emigranten-Schiff, das eigentlich zum Mars unterwegs war, hier eintreffen w\u00fcrde, dann w\u00fcrde es zu sp\u00e4t sein.<\/p>\n<p>Vermutlich berichteten inzwischen alle irdischen Medien \u00fcber dieses Ereignis. Parker wollte lieber nicht nachsehen. W\u00e4hrend er und seine f\u00fcnf Kollegen hier sa\u00dfen und hoffnungslos auf ihre Bildschirme blickten, gab es drau\u00dfen eine Pressekonferenz. Jos\u00e9 Ramirez, der Stationsleiter, war \u00fcber Videotelefonie verbunden mit ausgew\u00e4hlten Vertretern der internationalen Medien. Seine Aufgabe war es nun, die bevorstehende Katastrophe herunterzuspielen. Er konnte das gut. Aber es w\u00fcrde nicht helfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tom Parker lehnte sich zur\u00fcck und erhaschte eine lauwarme Brise vom Ventilator. Dabei blickte er auf die Schemazeichnung, die sein Bildschirm anzeigte. Dann guckte er durch sie hindurch. Er hatte schon so lange daraufgeblickt, dass er sie auswendig kannte. Drau\u00dfen sprach Ramirez sicher davon, dass man den Verlust gewisser Bauteile kompensieren k\u00f6nnte. Doch das konnte man hier nicht. Es war einfach zu viel besch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Parker hatte Erfahrung mit solchen Maschinen. Noch bevor es auf dem Mond eine st\u00e4ndige bemannte Station gab, hatte er Klimakontrollanlagen f\u00fcr Raumschiffe und f\u00fcr die Marsstation konstruiert. Den Bau von einem Gro\u00dfteil der Anlagen hier auf dem Mond hatte er geplant und \u00fcberwacht. Nat\u00fcrlich war man auf jede Eventualit\u00e4t vorbereitet.<\/p>\n<p>Nur nicht auf diese.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die T\u00fcr ging langsam auf und Ramirez trat hinein. Er trug ein Jackett \u00fcber dem Arm und sein wei\u00dfes Hemd war so nass, als h\u00e4tte ihm jemand einen Eimer Wasser \u00fcber die Brust gesch\u00fcttet. Parker lie\u00df sich nebenbei die Besatzungsdaten anzeigen. Vierundneunzig Seelen befanden sich auf der Station.<\/p>\n<p>Ramirez schaute ernst in die Runde. \u201eDie Krankenstation meldet den ersten Herzschlagfall.\u201c<\/p>\n<p>Dreiundneunzig, dachte Parker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe gestern um die Mittagszeit die Inspiration gesp\u00fcrt und direkt eine Kurzgeschichte geschrieben. Im Druck ist es genau eine Seite (PDF) &#8211; Du kannst sie aber auch direkt hier lesen. Ein Mondtag dauert 29 Erdentage und in dieser Zeit herrscht eine Temperatur von bis zu 130 Grad. &nbsp; Die Hitze wurde langsam unertr\u00e4glich. 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