{"id":339,"date":"2012-10-01T21:54:42","date_gmt":"2012-10-01T20:54:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.christian-epp.de\/?p=339"},"modified":"2012-10-01T21:56:18","modified_gmt":"2012-10-01T20:56:18","slug":"dilvatur-nimip","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christian-epp.de\/?p=339","title":{"rendered":"Dilvatur Nimip"},"content":{"rendered":"<p>Eines der schwersten Dinge beim Geschichten schreiben ist das Erfinden von Namen. Namen haben eine gro\u00dfe Bedeutung. Namen m\u00fcssen zu einer Figur passen, aber nicht zu klischeehaft klingen. F\u00fcr die Hauptfigur dieser Kurzgeschichte habe ich mir einen ziemlich merkw\u00fcrdigen Namen ausgedacht. Eigentlich wollte ich ihm keinen Namen geben, aber am Ende hatte ich doch das Gef\u00fchl, dass ein Name notwendig ist. Entstanden ist diese Geschichte, weil ich mir Figuren f\u00fcr eine l\u00e4ngere Scifi-Comicgeschichte ausgedacht habe und mich mal ein bisschen hineinf\u00fchlen wollte. Das liegt hier schon l\u00e4nger herum und nun dachte ich, dass es ja nicht verkehrt ist, wenn ich das einfach mal ver\u00f6ffentliche. Tut ja nicht weh.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dilvatur Nimip<\/strong> (<a href=\"http:\/\/www.christian-epp.de\/?attachment_id=340\" rel=\"attachment wp-att-340\">PDF<\/a>)<\/p>\n<p>&#8222;Jeder hier kennt Kina. Aber keiner kennt sie wirklich gut. Es ist nicht so, dass sie sch\u00fcchtert ist oder so. Sie ist immer der Mittelpunkt jeder Unterhaltung. Aber wenn du sie auf etwas pers\u00f6nliches ansprichst, <!--more-->lenkt sie schnell vom Thema ab. Die meisten merken es nicht einmal. Ich merke sowas!&#8220;, der korpulente Mann lehnt sich sich zur\u00fcck und macht einen tiefen Zug aus seiner rauchfreien Zigarette. Dann l\u00e4sst er den Blick schweifen und wirft seinem Gegen\u00fcber einen bedeutungsvollen Blick zu. &#8222;Sie hat ein dunkles Geheimnis! Es geht mich nat\u00fcrlich nichts an. Als sie vor vier Monaten hier in meiner T\u00fcr stand, war mir ihre Vergangenheit vollkommen egal. Denn hier ging es um&#8217;s Gesch\u00e4ft. Sie fragt mich, ob sie bei mir arbeiten kann&#8220;, er lehnte sich wieder nach vorne, &#8222;und wenn du sie dir ansiehst, wei\u00dft du, dass sie gut f\u00fcr&#8217;s Gesch\u00e4ft ist. Die M\u00e4nner, die hier was trinken, arbeiten zw\u00f6lf Stunden oder mehr in der Erzverarbeitung und wenn die danach dann hier zu mir kommen, dann wollen sie ein gutes Bier und ein paar h\u00fcbsche M\u00e4dels zum Tr\u00e4umen. Nicht, dass du auf falsche Ideen kommst. Alles, was hier l\u00e4uft, ist legal. Ich kenne das Gesetz. Aber meine M\u00e4dels sind daf\u00fcr da, unseren G\u00e4sten das Gef\u00fchl zu geben, begehrt zu sein. Darum hab ich Kina eingestellt. Sie hat das mit mir gemacht und sie hat es auch mit meinen G\u00e4sten gemacht.&#8220;, er seufzt, &#8222;Gutes Personal ist hier drau\u00dfen wirklich rar. Ich bef\u00fcrchte, jetzt wo sie weg ist, muss ich die Kleine wieder einstellen, die ich wegen Kina gefeuert habe.&#8220;<br \/>\n&#8222;Also, du willst Informationen haben, ich wei\u00df. Keiner kennt Kina so gut wie ich. Darum bist du hier richtig. Aber sie ist ein R\u00e4tsel. Das Meiste sind gut begr\u00fcndete Vermutungen. Sie wohnte hier alleine und hat fast nie Besuch gehabt. Niemand ist ihr in dieser Zeit wirklich nahe gewesen und an \u00f6ffentlichen Freizeitaktivit\u00e4ten hat sie nie teilgenommen. Sie muss unglaublich arm sein. Sonst h\u00e4tte sie wohl kaum f\u00fcr den Lohn gearbeitet, den ich ihr gezahlt habe&#8220;, ein Lachen erschallte, das in schweren Husten \u00fcberging. Dann wurde er wieder ernst. &#8222;Ihr makelloses Aussehen ist nur Fassade. Einmal wurde sie von einem Gast mit dem Essbesteck angegriffen. Das passiert, wenn sich einer meiner G\u00e4ste mehr w\u00fcnscht, als er bekommen kann. Da hab ich sie in die Krankenstation begleitet, damit sie wieder zusammengeflickt wird. Der Doktor hat mir sp\u00e4ter freundlicherweise berichtet,&#8220;, er lachte kurz ,&#8220; dass ihr K\u00f6rper \u00fcbers\u00e4t ist mit chirurgischen Eingriffen. Wenn du mich nach meiner fachm\u00e4nnischen Meinung fragst, waren das Bestrafungen.&#8220; Er hielt inne, als w\u00e4re ihm selbst gerade etwas eingefallen. Dann schaute er sich im Gastraum um. Au\u00dfer ihm und seinem Gespr\u00e4chspartner war niemand mehr da.<br \/>\nEr atmete tief und ger\u00e4uschvoll ein, schob sein leeres Cocktailglas zur Seite und st\u00fctzte sich mit seinem Ellenbogen so auf den Tisch, dass er dem dunkel gekleideten Mann, der ihm mit unger\u00fchrter Miene gegen\u00fcber sa\u00df, ganz nahe kam. Er fl\u00fcsterte fast. &#8222;Ich hab&#8217;s nicht gewusst.&#8220; Die beiden blickten sich f\u00fcr einen Moment in die Augen, bis der Barmann dem Blick nicht mehr standhalten konnte. F\u00fcr eine Weile schaute er sich den ma\u00dfgeschneiderten Anzug des schmalen Mannes an. Dann wischte er sich mit einem Taschentuch den Schwei\u00df von der Stirn.<br \/>\nLangsam und zitternd sagte er &#8222;K\u00f6nnten wir nicht zu einer Einigung kommen?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag war das beliebte und gr\u00f6\u00dfte Lokal der Bergbaustation geschlossen. Im Informationsnetz der Station wurde eine offizielle Verlautbarung bekanntgegeben:<br \/>\n<em><\/em><\/p>\n<p><em> Wegen illegaler Besch\u00e4ftigung einer entlaufenen Sklavin, Verdacht auf nicht registrierte Zuh\u00e4lterei und versuchter Bestechung eines staatlichen Inspektors wurde Dilvatur Nimip dem Magistraten \u00fcbergeben. Seine Gastst\u00e4tte bleibt bis auf weiteres geschlossen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines der schwersten Dinge beim Geschichten schreiben ist das Erfinden von Namen. Namen haben eine gro\u00dfe Bedeutung. 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